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MIKE H. KEMPER

Email: herrkemper@aol.com
Tel.:1 2182068815


Cinnamon Baer

HERBY

Was uns die drei Dudes erzuehlten war dies : Wir erreichten die Huette auf der ueblichen Route. In Chicago stiegen wir in eine North-West Maschine und gelangten an den Verteiler Flughafen. Dort nahmen wir den Zubringer, ein Propeller-Flugzeug, zur Grenzstadt International Falls. Eure Limousine holte uns dort ab und wir passierten die Grenze. An eurer Tuerschwelle stiegen wir aus. Da waren wir noch Vier.
Fred, James, Hillary und Herby.
Jeder 62 Jahre alt. Schulfreunde von ganz lange her. 2 Anwuelte, ein Versicherungsagent und Herby war Geschaeftsmann. Dies war das 27zigstmal in 27 Jahren dass wir mit Tony's gebucht hatten. Immer die gleiche Huette.
Erste Woche im Juni.
Wir hatten eine Motorauslandung ueberlebt, drei Tage warten am Base bis sich das Wetter verbesserte, 2 Blitzeinschlaege, 7 Baerbesuche in der Huette, einen Tornado und zahlreiche andere Abenteuer. Das Fischen war jedes mal sehr gut. An dem Base verfrachtete Jeff uns in seinen Vogel, stoppte kurz fuer Benzin bei Savant und weiter gingues nach Footprint Lake. Von diesem Punkt an in ihrer Geschichte wurden die drei immer truebseliger beim weitererzaehlen. Nicht spaeter als die Schwimmer des Beavers die Oberflaechenspannung des Wassers ueberwunden hatte und Jeff ueber die Baumwipfel verschwand, wurde Herby ploetzlich stocksteif und kreideweiss und sagte :
"Uh, ahh,ahhoh."
So stand er da, jetzt ashegrau. Langsam reichte seine Hand zum Herzen. Fred, der Versicherungsagent, sprang zu seiner Seite aber Herby sagte nur noch :
" Scheiss angeln, ich konnte es nie leiden," und sank zusammen, tot wie ein rostiger Tuernagel.
Was nun, wir hatten unsere ueblichen 5 Tage gebucht und wuerden solange wahrscheinlich keine andere Menschenseele sehen.
"Natuerlich", sagte James "haetten wir uns auch durchschlagen kuennen. Es sind ja nur 25 Meilen durch den Busch."
"Wir haetten es auch geschafft, wir sind an die Wildnis gewoehnt," sagte Paul.
"Aber warum? Er war ja nun schon tot. Was sollte er machen? Uns verklagen? " sagte James der Anwalt.
Wir ueberdachten das Problem eine Weile und entschieden uns dafuer, dass es das Beste wuere ihn zu entkleiden und ins kalte Wasser zu legen. Wir banden eine Kordel um sein Fussgelenk, so dass er uns nicht davon schwamm. Danach brachten wir unsere Sachen in die Huette und packten unsere Ruten und Rollen aus.
"Herby huette uns nicht traurig sehen wollen. Wir gingen fischen. Dieses Jahr war es besonders gut," sagte Fred.

"Nur, das Wasser war nicht kalt genug. So sammelten wir ein paar Steine und beschwerten ihn damit. Dann legten wir ihn ins Boot und fuhren ein wenig raus zum tieferen Wasser. Dort versenkten wir ihn, etwa 10 Meter tief. Kalt genug da unten. Natuerlich hatten wir ein Seil an ihm festgemacht, an dem anderem Ende eine leere Spuelmittelflasche die an der Oberflueche lustig mit den kleinen Wellen auf und ab huepfte, so dass wir ihn auch wieder finden konnten. Das war meine Idee ", erkluerte Hillary.
Am Tag als Jeff uns abholte, hatten wir Herby schon wieder hochgezogen. Eine Schnappschildkroete hatte sich an ihm guetig getan. Sah haesslich aus.
Seine Augen und weitere Weichteile hatten ihr als Mahlzeit gedient, ausserdem war er auch ziemlich angeschwollen. Spaeter im Sommer beichtete uns Jeff, dass er sich bei dem Anblick sofort uebergeben hatte.
"Euer Pilot war gar nicht froh, das kann ich euch sagen, er wollte zuerst mit der Leiche garnix zu tun haben. Aber wir konnten Herby ja nicht laenger da lassen. Er war in schlechter Verfassung und wuerde bestimmt nicht besser werden. Schliesslich einigten wir uns darauf ihn draussen am Schwimmer festzuzurren. Euer Kollege sagte es muesste wie ein Kanu funktionieren." Ein Schlafsack wurde zur Leichentuete und wir versicherten uns dass er drinblieb. Das erledigt fesselten wir ihn an einen der Schwimmer, den an der Pilotenseite ,luden unseren Kram in den Bauch des Vogels und tschuess. Jeff fuegte hinzu er huette ein paar Mal nach ihm geschaut.
Irgendwie rutschte ein Arm aus dem Sack raus und bewegte sich im Flugwind. Es sah wie ein Winken aus, eine Verabschiedung vom See. Der alte Herby hatte seine letzte Angelreise hinter sich.
"Natuerlich haben wir fuer naechsten Juni schon gebucht," sagte Fred als sie uns verliessen, den Sarg im Schlepptau auf dem Weg zum Flughafen und Chicago.
" Herby haette es so gewollt."

Fly-In Huette am See
Der Traumjob

Schon wieder saue ich in meinem altem 79ziger Ford LTD mit `nem 352M Block und riss die 35o Kilometer zwischen Thunder Bay und Fort Frances runter. Schon zum vierten Male hintereinander, immer Samstag morgens, denn noch besuchte ich wuehrend der Woche die Flugzeugmechanikerklassen des Thunder Bay Confederation College. Thunder Bay, 115000 Einwohner, westlichster Binnenhafen am groueen Lake Superior. Riesige Getreidesilos bewahren die Ernte der Pruerien bis sie in die Bueuche der groueen Boote geladen werden. 2 Papiermuehlen schicken Rauch in den Himmel, auf ihren Geluenden lagern Berge von Baumstuemmen. Fort Frances, 15000 Einwohner, Grenzstadt zu Minnesota, USA. Eine Papiermuehle und sonst garnix. Auueer Sitz von Tony`s Outfitter`s. Ich wollte unbedingt den Job als Pilot einer seiner 185ziger Cessnas. In zwei Wochen wuerde ich mit der Schule fertig sein und ein Diplom als " Aviation Maintenance Technician " erhalten.
Mit dem in der Tasche und meinem frischem und noch immer sauberen kommerziellen Flugschein war ich bestens geruestet fuer den ersten und den am schwierigsten zu erlangenden Fliergerjob. Sie sagten alle: "Vergiue es, du wirst nie irgend `ne richtige Kohle machen mit fliegen, wenn du ueberhaupt `ne Stelle landest. So viele trueumen davon Pilot zu sein, manche bieten sich an fuer lau zu arbeiten, nur um Erfahrung zu sammeln, um Stunden ins Logbuch zu kriegen. Natuerlich wuerde ich so was nicht tun. Konnte ich mir gar nicht leisten. Ich hatte versucht von Liebe und frischer Luft zu leben, vergeblich. Am ersten Wochenende sprach ich kurz mit dem Boss. Der Herr derer die in die Luefte wollen. Ich gab ihm mein Bewerbungsschreiben und er legte es auf den Stapel von anderen.
"Ich arbeite sehr hart. Wie sie sehen werde ich bald die Mechanikerschule abschlieueen, da kuennte ich dann auch mit anpacken," sagte ich.
"Oh, das ist ja schuen, wir rufen sie an," antwortete er mit so was wie einem Luecheln und wendete sich ab, um, wie ich spueter lernte, dem Chiefpilot etwas zu sagen. Am nuechstem Samstag war er nichtmal da, sondern bei einer Anglermesse, um Kunden zu buchen.
Ich unterhielt mich mit der Sekretuerin.
" Hat er schon alle Piloten angeheuert?" fragte ich sie nachdem ich mich vorgestellt hatte.
" Er hat seine Beachfahrer und der Beaver ist wohl auch vergeben.
Es sind wohl noch fuenf Bewerber auf der Liste fuer die zwei Cessnas`. Ich glaub, sie sind einer davon."
" Wann, meinen Sie , wird er sich entscheiden ?"
" Wahrscheinlich Ende April, kurz bevor die Saison beginnt."
Na toll, dachte ich. Wenn ich dann doch nicht ausgewuehlt werde, habe ich eine Woche Zeit mich um einen anderen Job zu kuemmern. Ich hatte volles Risiko gespielt und mich nur auf diesen konzentriert. Am dritten Samstag war er auch nicht da, aber Mary verriet mir es kuemen nur noch drei in Frage und ich sollte am kommenden Samstag einen Checkoutflug absolvieren. Das huerte sich schon besser an.
Inzwischen kannte ich die Strecke ziemlich gut. Es war der 25. April. Um fuenf Uhr morgens hatte ich das Studentenheim verlassen und kam um 8 Uhr am Base an. Und dieses Mal war er sogar tatsuechlich da. Er stand hinter der kleinen Schreibtheke, sprach am Telefon und kritzelte was ins "BUCH".
Nachdem er auflegte ging ich auf ihn zu und sagte :" Guten Morgen..."
Er blickte kurz auf, registrierte mit einem Blick, dass ich kein Kunde, sondern wahrscheinlich nur ein von Abenteuern trueumender Pilot war und erwiderte: " Was ist so gut daran ? Halt den Mund." So tat ich den auch.
Das Telefon klingelte. Unglaublich charmant sueueelte er durch die Leitung, diesmal offensichtlich ein Kunde. Und richtig, nach 2o Minuten legte er auf und trug sueuberlich Daten ins "BUCH" ein. Dann schaute er auf und durch den Raum und endlich sah er mich.
" Und was willst du jetzt ?" fragte er.
" Ich bin Mike Kemper und frage mich was mit dem Checkout Flug ist." Ich war so nervues, dass meine Stimme zitterte.
" Ach, du fragst dich, das ist ja nett." Er drueckte sich hinter der Theke hervor, durchquerte den Raum, ueffnete eine Tuer zum Hanger hin und rief :" Fred, komm her, der Neue willues dir zeigen!" Raus kam ein kleiner Kerl, sein Overall uelverschmiert. Zusammen gingen wir runter zum Wasser ans Dock.
" Du willst also einer von Tony`s Piloten sein, eh ?"
" Nun, ja sicher. Hat er schon die anderen eingestellt ?"
" Er hat einen. Es ist noch eine einzige Stelle frei."
Er mustert mich, versucht mich abzuschuetzen, "wenn er dir einen Checkout gibt, dann hast du den Job wohl, vorausgesetzt mir wird jetzt gleich von deinen Flugkuensten nicht schlecht." Wir steigen in die wunderschuene Cessna und fliegen ca. eine Stunde. Starten und landen. Es war windstill. Im Wasser spiegelte sich die Maschine. Punktlandungen am Rand des Eisfeldes. Mit Flaps, ohne Flaps, mit 20 grad Flaps. Ihm wurde nicht schlecht, aber ich kam ins schwitzen.
Danach marschierten wir den Huegel zum Buero hoch und Fred sagte ihm ich wuere o.k. und der Boss sagte ich fuenge am 1.Mai an und ich sagte vielen Dank. So, da war`s also passiert. Ich war Pilot, und Buschpilot noch dazu.. Reichtuemer und Ehre und viele, viele Frauen waren mir sicher. Als ich am nuechsten Morgen dort auftauchte, hatte ich keine Ahnung wie und wie viel ich bezahlt bekommen wuerde, welches meine Arbeitszeiten waren und wohin ich den ueberhaupt fliegen sollte. Der Chiefpilot sammelte uns alle um sich rum und wir stellten uns gegenseitig vor. Sein Name war Frank und er flog natuerlich eine der fuenf Beach 18`s. Fred flog die Zweite, Darryl die Dritte, Dave und Wrongway Jay die restlichen Zwei. Dann war da noch Jeff, der Beaverpilot, letztes Jahr noch ein Neuling wie ich jetzt und Don, der andere Neue auf der anderen Cessna. Die ersten drei Tage flog ich ueberhaupt nicht. Langsam bedang ich mich zu wundern und auch ein wenig zu uergern.
Ich fragte Darryl was denn los wuere.
"Mach dir mal keine Sorgen. Die Angel Saison beginnt am 12. Mai, dann wirst du noch uebers fliegen fluchen und dir wuenschen du kuenntest auf festen Grund stehen." "Oh, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich will soviel wie mueglich fliegen. Erfahrung und Stunden aufbauen." "Warts ab. Du wirst schon sehen."
In der Zeit, in der wir nicht flogen, arbeiteten wir im Hanger. Wir polierten die Flugzeuge auf Hochglanz und rueumten hinter den Mechanikern her. Am Morgen meines vierten Arbeitstages trat ich ins Buero und Bob Bullshit orderte mich an MLO, welches das Kennzeichen meiner Cessna war, fuer einen Trip nach Lac La Croix fertig zu machen. Frank fing mich auf dem Weg zum Wasser und zog mich zur Seite.
Wir gingen ueber die Landkarte. Dies sei ein einfacher Flug. Fast immer ueber Wasser. 55 Meilen, sollte nicht luenger als `ne halbe Stunde dauern. " Flieg am Ufer ein paar entlang und halt nach Felsen ausschaue.
Das Dorf liegt an der Flussmuendung. Lande auf dem See und taxi rein. Am Dock helfen sie dir."
Ich checkte das uel, ich checkte den Benzinstand. Ich pumpte die Schwimmer leer und fuehlte den Propeller nach Kerben ab. Dann kletterte ich unter das Flugzeug, nur um zu checken.. Das Wasser war immer noch eiskalt, das Meiste des Sees versteckte sich noch unter dem Eis. Nur an den Flussmuendungen und Auslueufen lieue sich starten und landen. In einer Woche, so huerte ich immer wieder, sei es ueberall offen.
Ein Taxi fuhr die Schotterstrauee zu uns und herauf. Erst eine, dann noch eine Frau mit einem Baby auf dem Arm steigen aus. Sicherlich nur um sich von der Freundin zu verabschieden. Sie kamen auf mich zu. Der Dockboy zog den beladenen Gepueckkarren hinter sich. Ich begrueuete sie : " Hallo, mein Name ist Mike. Ich fliege sie heute. Wer fliegt denn von ihnen ?"
Sie schauten mich ueberrascht an, sprachen miteinander und lachten.
Die mit dem Baby erwiderte:" Wir fliegen alle mit, wenn du meinst, du kannst das schaffen. Du bist ein Neuer, nicht wahr.?"
" Ja, das stimmt. Hier habe ich letzte Woche angefangen, aber ich fliege schon seit weit ueber vier Jahren." Das war auch nicht gelogen, denn so lange habe ich gebraucht, um die 200 Stunden fuer den Kommerziellen Flugschein zu fliegen, hat mich 12000.-$ gekostet. " Dann kuennen wir ja einsteigen." fuegte ich hinzu und versuchte cool zu sein. " Willst du nicht unser Gepueck einladen" fragte dann die andere mit ironischem Luecheln.
" Genau."
Dan und ich luden alles ein. Es ist nicht viel Platz in einer 185ziger. Drei Sitze fuer Passagiere und einen fuer den Piloten. Jeweils zwei hintereinander. Dahinter ein bisschen Stauraum fuers Gepueck.
Das Baby schlief. Ich ueberlegte den Huegel hoch zu stampfen und B.B. zu erklueren, dass ein Baby auf dem allerersten Trip doch ein bisschen zuviel sei. Nach jeder Landung dankte ich immer noch dem da oben und jetzt ein BABY ?!?
Natuerlich unterlieue ich es. Play it cool Sam. Du hast den Test bestanden. Du bist ein Pilot, und ein guter dazu, versuchte ich mich zu ueberzeugen. Der Motor sprang sofort an. Don hatte mir von Schwierigkeiten erzuehlt.
Ich taxiete mit dem Wind, im leichtem Wellengang bewegte sich die Maschine von Seite zu Seite. Mein Blick konzentrierte sich auf die Instrumente, ich arbeitete die Kontrollen. Alles in Ordnung. Die Frau mit dem Baby saue hinter mir , sie klopfte mir auf die Schulter :
" Haben sie eine Kotztuete ? Dem Baby kuennte schlecht werden." Im Handschuhfach fand ich eine.
Die Abflugstrecke beurteiltete ich fuer ausreichend, drehte uns in den Wind und schob den Benzinknopf langsam bis zum Anschlag. Die Power der sechs Zylinder mit 300 Ps pfluegte uns durchs Wasser bis wir auf es glitten, die Geschwindigkeit steigernd. Schlieuelich hob die Maschine in die Luft. In den ersten zehn Minuten meines ersten Fluges mit zahlenden Passagieren klappte alles hervorragend. Ich wusste genau wo wir waren und folgte meinem Daumen auf der Landkarte. Es war einfach. Pluetzlich kroch ein merkwuerdig sueuelicher Geruch meinen Nasenluechern hoch. Es war nicht komisch, es war geradezu uebelkeitserregend. Das Kind musste sich wohl uebergeben haben und zur gleichen Zeit voll in die Windeln geschissen haben. Wir trafen ein Windloch. Mein Magen begann ein Eigenleben. Ich ueffnete die Ventilation total. Das half ein wenig. Oh, lieber Gott, bitte,bitte, lass mich nicht bei meinem allerersten Trip anfangen zu kotzen. Durch meinen Mund atmend erreichen wir zwanzig Minuten spueter das Reservat. Es war eine gute Landung. Die Frauen und das Baby kletterten aus und keiner wollte einen Flug zurueck in die Stadt. Ich taxiete wieder auf den See raus. Der Geruch hatte den Innenraum nicht mit den Passagieren verlassen und so schaute ich hinter den sitz. Dort, auf dem Boden, lag die volle Tuete. Ich hob sie auf und schmiss sie in das Wasser.

Fly-In Huette am See
Einmal eine Leiche bitte !

Es war alles so schuen.
Blauer Himmel, nicht eine Wolke schob sich zwischen mir und der Unendlichkeit des Weltraums.
Eine superleichte Ladung und kein nervueser, vor sich hin blubbernder, schwitzender ,fetter Ami neben mir.
Fast zu schuen um wahr zu sein.
Bang ! Banng ! Bannng !
Motorschaden ?
Was ist passiert ?
Kolbenfresser ?
Feuer, Absturz und jetzt hat es mich doch erwischt ?
Bang ! Bang ! Bang !!!
" Swampman, steh endlich auf. Du hast `nen Flug. Raus aus den Federn. Du wirst sofort gebraucht."
Bullshit Bob in Person ruft mir aus der Halle vor dem von Monat zu Monat gemieteten Hotelzimmer um den Hut zu huengen zu.
" Jaja, schon gut," ich krieche aus dem Bett, greife nach meiner Blue Jeans.
" Ich bin gleich da, warte."
Die Radiouhr verruet mir die Zeit : 6:19 .
Der erste Flug war doch erst fuer 8:30 gebucht.
Mit den Hosen an ueffne ich die Tuer : " Was ist denn los ? "
Er ist mein Chef. Er ist dick, kurzbeinig, geldgierig und hat `ne Heidenangst vorm Fliegen.
" Du musst sofort nach Lac La Croix fliegen. Ein Polizist wartet schon am Dock. Beeil dich !"
" Ein Bulle ? Was hab ich getan ?"
Sofort wurde mir klar, dass wenn er hinter mir her wuere, wuerde er nicht am Dock auf mich warten, sondern stuende im Tuerrahmen. In Kanada macht die Polizei nicht allzu viel Faxen.
" Sei nicht albern. Zieh deine Schuhe und beweg deinen Arsch zur Base, aber pronto."
Er luesst mich stehen, um wichtigere Dinge zu erledigen.
" Ich bin gleich da, in fuenfzehn ", aber er huert es schon nicht mehr.
Es scheint kein schlechter Tag zu werden.
Der Windsocken huengt halb hoch, vielleicht eine zehn Meilen Brise.
Ein paar weiuee Wolken bei schuetzungsweise 3000 Fuue, eine gebrochene Decke viel hueher. Unten am Wasser steht der Ontario Provincial Policemann neben meiner rotweiueen 185ziger Cessna.
Ich frag mich was zum Teufel das schon wieder soll. " Hallo, wie geht`s ? " frag ich ihn.
" Danke gut. Schuener Tag zum fliegen, nicht wahr ? "
Er ist ziemlich groue, rote Haare, irische Sommersprossen. " Ja, es sieht ganz gut aus."
Er quetscht sich auf dem Passagiersitz, ich schluepfe hinter die Kontrollen und Claude, unser Dockjunge mit Neigung zum stuendigem Kater, drueckt uns weg vom Steg zum offenen Wasser. Das Triebwerk startet zufrieden stellend. Es weht ein Ostwind. Das ist praktisch, da ich sowieso nach Osten muss und so kann ich die Windgeschwindigkeit ausnutzen ohne viel taxing zu muessen. 2000 Fuue ueber den Erdboden senke ich die Nase und trimme die Maschine auf gleich bleibende Huehe aus.
" So, dann erzuehlen Sie mal; warum fliegen wir ueberhaupt zum Reservat ? " frag ich ihn.
Das Lac La Crois Indianer Reservat, ist ohne Boot oder Flugzeug nicht zu erreichen, denn Straueen gibt es nur im Dorf selbst. Vor 14 Jahren hatten sie sich selbst trocken gewuehlt, d.h. auf dem Reservat selber durfte absolut kein Alkohol sein. Seitdem ging es mit der kleinen Gemeinde von ca. 300 Leuten langsam aber stuendig bergauf.
" Wie, hat ihnen ihr Boss es nicht erzuehlt ? Ich muss einen Bericht machen und sie muessen die Leiche rausfliegen."
" Eine Leiche, was soll das denn werden ?" sagte ich.
" Na, einen Toten halt. Ein siebzehn juehriger Junge ist gestern Abend gestorben."
" Sie scherzen !? Eine Leiche ?" Ich bin auf alle Fuelle ueberrascht, wenn nicht geschockt. Ich hab noch nie `nen Toten gesehen.
" Machen sie sich keine Sorgen, " unterbricht er meine morbiden Gedanken, " dieser ist noch ganz frisch, macht keine Probleme,"
erguenzt er mit leichtem Grinsen. " Was soll das schon wieder, keine Probleme ? "
" Nun, manchmal machen sie Gerueusche. Nie nach einer Nacht, glaube ich. Sie wissen schon, blubbernde Laute von den Gasen im Magen."
" Oh, ja, natuerlich, " stimme ich ihm zu.
" Dieser wird nur eine normale Leiche sein, zu frisch."
Ich sehe ihm an, dass er meine Reaktion belustigend findet und um noch eins drauf zu setzen fuegt er hinzu : " Er kuennte huechstens ein bisschen furzen, das tun sie manchmal auch."
" Dachte ich mir schon."
Eine halbe Stunde spueter setze ich meinen Vogel aufs dunkle Wasser und taxi zum Hauptdock des Dorfes. Eine kleine Gruppe Indianer hat sich am Strand versammelt. Ich kann keinen Sarg entdecken. Ich sichere das Flugzeug mit einem Seil, welches eine Ende stuendig an einem der Schwimmer befestigt ist, mit dem anderen an dem Steg an die dafuer gedachten Metallhalterungen. Nach einer Weile bewegt sich etwas oben am Huegel und ich verfolge wie vier Muenner eine Trage mit einem duennen Kuerper drauf den schmalen Weg hinunter tragen. Ein fast durchsichtiges Tuch bedeckt den armen Kerl. Eine Kordel taucht auf. Sie binden ihn gut und fest, erst der rechte Arm, dann wird der andere hoch gehoben um Drumherum die Schlinge zu fuehren. Das gleiche mit den Beinen. Ich frage mich wie wir den ins Flugzeug kriegen sollen.
Der Polizist meldet sich wieder: " Ich glaube sie nehmen am Besten die Tuer raus und bauen den Sitz aus. Ich bleib sowieso hier, und sie fliegen alleine zurueck." Na klar. Einmal eine Leiche bitte.
Es ist ganz schuen schwierig die Bahre in die Cessna zu bugsieren ohne den Jungen in den See fallen zu lassen. Zu einem Zeitpunkt muessen wir sie 90 Grad schrueg halten um ihn zwischen den Fluegelstrut und dem Tuerrahmen zu schieben.
Aber endlich liegt er neben mir und wir starten durch Richtung Base, wo angeblich eine Ambulance auf meine Fracht wartet. Der Bulle hatte natuerlich recht. Der Typ hat mit keiner Wimper gezuckt, und ich konnte durchatmen.
Einmal in der richtigen Flughuehe und ausgetrimmt dachte ich daran das Tuch zu lueften und mir das Gesicht anzusehen, aber ich tat`s nicht. Ich habe Moralvorstellungen und respektiere die Ehre anderer. Oder vielleicht war mir auch irgendwie nur unheimlich.

Das Wetter ganz ist aus !

Larry hatte natuerlich recht.
Sobald die Angelsaison los ging, flogen wir stuendig. Etwa 5-6 Stunden Flugzeit. Nachdem du gelandet bist, downwind fuer Start und Landungen getaxiet, getankt und deinen Vogel ent- und beladen hast, summiert sich das dann zu einem 10-13 Stunden Arbeitstag. So langsam gewuehnte ich mich an die Teufelsmaschine und kam gut mit ihr zurecht.
Dann kam der Tag als die drei fetten Dudes aus Texas zu dieser Lodge ca. 200 Meilen westlich an einem mir noch unbekanntem See mit ihren drei riesigen, zum platzem gefuellten Dufflesuecken wollten. Einer meiner Kollegen zeigte es mir auf der Karte. Ich markierte die Stelle mit einem Kugelschreiber und wuerde meinem Daumen bis dorthin folgen. Auueer dass, das Wetter fast ganz danieder lag.
Wolkendecke bei ca. 1000 Fuue ueber dem Boden, mache fingerten noch tiefer. Wenn du zu einem See fliegst, gibt es dort keinen Radiosender den du anpeilen kannst, also findest du ihn nur durch konstantes auf die Oberflueche schauen und das, was du dort erkennst mit dem was du auf deiner Karte hast vergleichst. Je hueher du bist , sagen wir 3000 Fuue, umso leichter, dann kannst du weit voraussehen und hast viel Zeit. In 1000 Fuue Huehe scheint alles einfach vorbei zu schieueen. Mein Kompass war kaputt. Das Funkgeruet hatte Syl am morgen ausgebaut um es zur Reparatur zu schicken. Es regnete. Vielleicht fragen Sie sich, ob Mensch denn ueberhaupt ohne Kompass, ohne Funkgeruet, mit stark ueberladenen Flugzeug in schlechtem Wetter fliegen darf ? Mein Boss sagte man darf alles, nur sich erwischen lassen nicht und ob ich vielleicht doch lieber Dockboy sein muechte ? Meine arme Cessna uechzte unter der Last von den 3 oberfetten Amis mit Ihrem furchtbaren Gepueck und den uebervollen Benzintanks. Nur dem starken Wind verdankte ich ueberhaupt abgehoben zu sein.
Irgendwie fand ich die Lodge, auf einer der tausend Inseln im Lake of the Woods. Hinter mir senkte sich das Wetter bis aufs Wasser. Keine Chance zurueck zu fliegen. Ich wartete eine Stunde, nahm sie hoch, kreiste 2 mal um die Lodge und verlor die paar Hueuschen beinahe aus den Augen. Es half nichts, ich musste die Nacht wohl an Ort und Stelle verbringen. Ob ich wohl gefeuert wuerde ? Aber ein Mann muss tun was ein Mann tun muss, ich fuehlte mich zu jung zum sterben. Der Manager von der Lodge erschien mir merkwuerdig, aber freundlich. Durch die Angestelltentuer betrat ich die Kueche. Zwei bildhuebsche Muedels bereiteten das Abendessen fuer die zahlenden Gueste vor. Vielleicht wandelte sich der Tag doch noch zum Guten. Der Name des Kochs war Hugh. Ein britischer Landsmann, etwa 30. Nachdem der freundliche Kerl mich an den Tisch setzte hatte ich auch schon eine dampfende Tasse Kaffe vor mir stehen. Dann fiel mir ein, dass es eine gute Idee wuere, den Boss anzurufen, er kuennte mich ja vermissen, bzw. sein Flugzeug. " Hi Bob. Ich bin`s, Mike." " Was fuern Mike ?"
" Mike Kemper, einer Ihrer Piloten." " Was willst du ?" " Ich glaube nicht, es wird mir mueglich sein, heute zurueck zu fliegen." Jetzt kommtues, er schmeiuet mich raus. " Wieso ? Was hast du angestellt ?"
Was ich angestellt habe ??? Nichts, oh na klar, er dachte ich hab sein Flugzeug versenkt oder so was. Erleichtert antwortete ich : "Ich hab nichts getan. Das Wetter ist ganz aus. Ich bin gerade noch hier angekommen." Durchs Telefon konnte ich seine Erleichterung spueren. " Nun, wenn das Wetter wirklich so schlecht ist, musst du halt die Nacht dort bleiben, oder hast du Deinen Teddybuer nicht dabei ? Und morgen, in aller frueh, fliegst du zurueck. Es wird klar sein dann." " O.k. Bis morgen dann." " Sobald es hell wird!" " Na klar."
Na was dachte er denn. Das ich die ganze Nacht durchsaufen wuerde oder was? Ich ging zurueck zur Kueche und benahm mich freundlich. Vier Muedels zwischen 18 + 24, zwei Angelfuehrer und Hugh der Koch. Netter Haufen, aus ganz Kanada.
Nachdem wir gegessen hatten mussten die Muedels die Gueste bedienen und ich schlenderte mit den Fuehrern in deren Cabin. Der Dicke, ein Hells Angel in seinem zivilen Leben, kramte sein Tatooset aus und tatoote den Arm des anderen. Wir tranken ein paar Bier bis sie alle waren. Der andere sagte : "Wir kaufen ein paar Bier vom Manager fuer die Party."
Party??? Ich sagte : " O.K., ich kauf auch ein paar."
Wir kauften jeder sechs Flaschen und leerten ein paar in der Cabin. Dann war es Zeit fuer uns zur Cabin der Muedels zu wechseln. Die waren mit Ihrer Tagesarbeit fertig und zogen sich um und tranken ein paar Bier mit uns. Eine, die Gefuehrliche, zeigte mir Ihre Falten am Bauch von Ihrer Abtreibung. Als das Bier alle war gingen wir.
Sie lieueen mich in eine leere Gastcabin schlafen. Nach einer kleinen Weile stolperte ich durchs Dunkle zur Cabin der Gefuehrlichen. Aber nach einer noch kleineren Weile schmiss sie mich raus und ich ging zu Bett. Am Morgen darauf fuehlte ich mich nicht so besonders wohl, aber der Himmel hatte sich ueber Nacht gekluert und ich flog nach Hause.

Kater

Es war wieder einmal ich, der eine Woche im Sommercamp verbringen musste. Alle Huende hatten viel zu tun gehabt,und keiner die Zeit zum feiern gefunden. Die Geologencrew hatte ihr Hauptquartier wieder in das leerstehende Feuerkuempfer-Base verlegt. Den ganzen Tag fuhren sie mit ihrem Jeep die Schotterstraueen der Baumfueller auf und ab, sammelten Steine und Felsbrocken an vorher von Luftkarten bestimmten Punkten auf, und abends analysierten und speicherten sie die Ergebnisse in ihre Computer. Jeff hatte wohl ein Auge auf Nancy geworfen.
Am Abend meines ersten Tages im Sommerbase schauten wir Canadian Football auf dem kanadischen Regierungskanal und tranken dazu ein Bier.
"Aber Jeff, ich dachte sie ist verheiratet?" sagte ich.
"Ach Mike, sie flirtet die ganze Zeit mit mir, verheiratet oder nicht, so wie sie Witze macht und mich dabei immer so anluechelt. Ich sag' dir, die will mich. Ich hab' hier'ne Bombenchance. Ich glaub' ich lad' sie demnuechst zum Essen ein. Ich 'buzzte' sie heute echt gut und sie war da, ich bin mir sicher." Dabei schaut er luechelnd in die Ferne.
Es war mir ziemlich egal, zumal ich Michelle als Frau meiner Trueume sah und wunderte mich laut: "Wie konnte sie denn da sein, und was meinst du ueberhaupt mit 'buzzen'?"
"Ah, das weiuet du nicht. Einer von den fuenf bleibt tagsueber immer im Camp, kocht, rueumt auf und arbeitet am Computer. Auf meinem Weg zurueck vom Forellensee schwenkte ich auf ihr Lager hin. Der Anflug war schon tief und an ihrem See ging ich fast bis zum Wasser runter und schoss auf die Gebueude zu. Mannomann, es war knapp. Ich zog sie gerade noch rechtzeitig hoch, um den Funkturm zu ueberfliegen. Sie stand drauueen und winkte mir zu. Ich weiue, sie will meinen Kuerper."
"Ja, klar. Und ich bin der Pruesident von AIR CANADA.", aber er hatte da was.
Jeff hatte also damit angefangen. Der Rest von uns machte es ihm nach, und den ganzen Sommer ueber versuchten wir uns beim "buzzen" gegenseitig zu uebertreffen. Sogar kurze Umwege wurden, zu Lasten der Firma, geflogen, nur um ueber dem Camp mit unseren Kuensten anzugeben. Passiert ist dabei zum Glueck nie etwas, aber ein wenig tollkuehn war's doch. Am folgenden Abend fuhren wir mit dem inzwischen reparierten Basetruck zu ihrem Camp. Wir blieben nur eine kleine Weile, vereinbarten aber ein Mega-Fish-Grill mit groueem Lagerfeuer am kommenden Freitag. Die Fischfilets versprachen wir mitzubringen, denn wir hatten in unserer Tiefkuehltruhe immer einen groueen Vorrat davon, geschenkt von den Dudes, die manchmal mehr als ihr gesetzlich erlaubtes Limit fischten und am Ende ihres Trips es doch mit der Angst zu tun bekamen, und uns die ueberzuehligen dalieueen.
Die Frauen versuchten, uns das "buzzen" auszureden. Scheinbar flogen wir ein paar Mal so dicht ueber die Duecher hinweg, dass sie Angst um ihre Dachplatten bekamen. Uns Piloten war es offensichtlich, dass sie geschmeichelt waren, und erkluerten, es wuere alles eine notwendige uebung fuer den Fall, dass das Wetter mal so schlecht wuere und die Wolken so tief hingen, dass wir gezwungen wueren "on the deck", also ca. 5 Meter ueber dem Wasser zu sausen.
Freitag rollte herbei und der letzte Flug vom Tage war endlich erledigt. Wir fesselten unsere Vuegel sicher ans Dock und lieueen den Dockboy uel und Benzin fuer den nuechsten Morgen auffuellen. Laut Buchungsbuch sollte es ein frueher und voller Tag werden. Die erste Ladung fuer Jeff zum Outpost auf Hillary Lake um 5 Uhr, um 5:30 Uhr Darryl nach Pemahkin und ich nach Funny. Manchmal fahren die Dudes schon frueher ein mit ihren groueen Wohnwagen und huemmern gegen unsere Tuer oder noch schlimmer, kommen einfach in unsere Wohnrueume und scheppern solange mit Tellern und Tassen beim Kaffeemachen hin und her, bis wir endlich wach werden.
Eines schuenen Tages machte Jeff dem allerdings ein Ende, als er einen unserer Kunden am Hosenboden zur Tuer rausschmiss. Um solche Szenen in Zukunft zu vermeiden, hing ich ein Schild an unseren Eingang, welches auch die erwuenschte Wirkung zeigte: NO ENTRANCE OR WE KILL.
Als wir bei den Geologinnen und Geologen ankamen, lag schon ein groueer Haufen Brennholz im Hof. Die zwei Muenner, John und Mark, hatten wohl die meiste Arbeit geleistet, und alles aus dem nahen Busch getragen. Ungluecklicherweise hatte uns Paul erpresst nuemlich damit, dass wir den Basetruck nicht benutzen duerften, wenn wir nicht ihn und seine Freundin mit zur Party nahmen. Alle zusammen bildeten wir eine Gruppe von elf Leuten. Die fuenf Geologen, Paul und Freundin, Dan, der Dockboy und wir, die drei Piloten. Das einzige, was Paul wirklich gut konnte, war Fisch zu frittieren, natuerlich mit seinem ureigenen Bierrezept. Nach dem Essen zuendeten wir den Holzhaufen an. Bald ueberdeckte uns die Nacht, wir redeten und wir lachten und wir tranken, mehr als gut fuer uns war. Die Nacht war klar, die Sterne blinkten zu unserer kleinen Party herunter. Als Nancy, schlieuelich war sie die Leiterin der Gruppe und verantwortlich, uns endgueltig vom Geluende schmiss, ging es stramm auf 1:30 Uhr zu. Ich kann mich nicht erinnern, wer am Steuer saue, oder wie wir zu unserem Base zurueckkamen. Woran ich mich allerdings lebhaft erinnere ist, wie ich mich am nuechsten Morgen fuehlte. Ein Kater war fuer mich noch nie der beliebteste Teil einer Feier. Mit einem Kater zu fliegen wird immer das Schlimmste sein, wofuer ich mich freiwillig gemeldet habe. Kein Beten und Wuenschen lieue Paul verschwinden oder die Dudes pluetzlich ihre Ferienpluene uendern. Ich stolperte aus unserem Verschlag, mit einem Styroporbecher voll heiueen Kaffees wackelte ich runter zum Dock. Dan und Paul sahen nicht gut aus, ich nehme an, ich nicht viel besser. Wir luden ihr Gepueck ein, und ich lieue die Maschine an. Ich lenkte das Flugzeug weg vom Dock. Mit einem Fuue sperrte ich die Tuer auf und lieue die kuehle Morgenluft vom Propeller, der sich einen Meter vor mir mit lautem Getuese drehte, zu mir in das Cockpit druecken.
Wir hoben ab. In hundert Meter Huehe ging ich vom Gas runter und drueckte die Nase nach unten. Wir landeten, unsanft. Mir war kotzelend. Der Propeller drehte sich noch mit eigenem Schwung, als ich schon meinen Sicherheitsgurt geluest hatte und auf meinem Schwimmer stand. Mit einer Hand hielt ich mich am Fluegelstrut fest, dann uebergab ich mich einige Minuten lang gewaltig. Danach ging es mir besser. Ich kniete mich auf dem Schwimmer nieder und sueuberte mein Gesicht mit dem kalten, sauberen Wasser. Mit einem Schafsgesicht kletterte ich in das Flugzeug, murmelte etwas wie eine Entschuldigung und schob es auf einen tueckischen Virus, der zur Zeit umging. So wie die grinsten, glaubten sie mir jedes Wort. Wuehrend des Tages verschlimmerte sich die Lage nicht, besser wurde es allerdings auch nicht. Alkohol nimmt'ne Menge Energie aus einem, was wiederum zu einer Abnahme von Konzentration und Urteilskraft fuehrt. Zufuellig sind das die zwei notwendigsten Eigenschaften, die ein Pilot beim Fliegen braucht. Diese Lektion lernte ich an dem Tag zu wuerdigen, beinahe huette ich dafuer mit meinem Leben bezahlt. Um sechs Uhr abends, nachdem ich den ganzen Tag geflogen war und gerade mit dem Vertueuen des Vogels begonnen hatte, kam Paul auf mich zu:
"Tut mir leid, Mike. Habe gerade einen Funkspruch vom Groueen-Otter-Reservat erhalten. Ihr Buchhalter muss heute noch raus. Ich werde das Abendessen fertig haben, wenn du zurueck bist."
Ich wollte ablehnen, zur Huelle mit dem Indianer, ich war muede und mir war elend und ich verdiente eine lange Pause. Natuerlich konnte ich nicht. Es war meine eigene Schuld, mich zu fuehlen, wie ich mich fuehlte, und dies war mein Job und dafuer bekam ich mein Geld. Dan half mir beim Auftanken und ich flog los. In sechshundert Metern Huehe schaute ich nach Westen und dachte mir, dass diese dunkle Front, die schon den ganzen ag dort hing, sich langsam in unsere Richtung bewegte. Toll, das hatte mir gerade noch gefehlt, ein Sturm. Nach einer schnellen Kopfrechnung muesste ich im sicheren Heimathafen wieder angelangt sein, bevor das Unwetter ueber uns hereinbrechen wuerde. Zum Glueck stand der Buchhalter schon am Dock des Reservats und wartete auf mich. Landen, einladen und starten dauerte keine drei Minuten, noch zwanzig Minuten fuer den Rueckflug.
Gerade beendete ich den Funkspruch an in die in der Nuehe fliegenden Piloten, in dem ich sie auf meinen Start und Flugrichtung aufmerksam machte, als ein furchtbares Krachen die Muscheln meiner Kopfhuerer vibrieren lieue. Ein Blitz und was fuer einer: seine elektrische Entladung raste blitzschnell durch den uether und so kann man ein Gewitter oft schon hueren, bevor man es sieht. Die Front wanderte schneller als erwartet, von einem krueftigen Westwind geschoben. Nach der Huelfte der Strecke wurde mir klar, dass es ein knappes Rennen werden wuerde. Der Himmel verdunkelte sich immer mehr und ich sah viele Blitze zu Boden jagen, augenblicklich gefolgt von sehr nervigem Krachen zwischen meinen Ohren. Ich funkte voraus:
"MLO-Base."
"Base-MLO, ich huere."
Ich erkannte Darryl am Mikrofon. Er konnte mir sagen, wie es mit dem Wetter stand.
ueWie sieht's aus bei euch?" fragte ich.
"Tja, was soll ich dir sagen. Es ist noch nicht ueber uns, aber bald, wie lange brauchst du noch?"
Ich wusste, in acht Minuten kuennte ich es schaffen und antwortete:
"In fuenf bin ich da, meinst du es huelt solang?"
"Ich weiue nicht, vielleicht nicht. Besser du landest und wartest, bis es vorbeigezogen ist.", und damit legte er die Entscheidung in meine Huende, wo sie ja auch hingehuerte. Warten, bis es vorbei war, klaro. Bis dahin ist es dunkel und ich steckte mit dem Buchhalter an irgendeinem Felsen im See die ganze Nacht fest. Bei Nacht darf man nuemlich keine Wasserflugzeuge fliegen.
"Ich versuch's noch ein bisschen, halt Ausschau nach uns."
"O.K."
Jetzt erkannte ich den Huegel, an dessen Fuue unser Base lag. Ein weiterer Blitz und ein Krachen, diesmal noch heller und lauter als die vorangegangenen. Noch zehn Meilen, wenn es doch nur noch sechs Minuten weg bliebe. Ich warf einen Blick auf das Gesicht meines Passagiers. Natuerlich konnte er den Sturm auf uns zuziehen sehen, aber er schwieg. Er hatte auch keine Lust auf eine nasse, kalte Nacht und traute meine Professionalismus. Ich begann mit dem Sinkflug und richtete sie auf eine Geradeeinlandung, trotz des leichten Seitenwindes. Mir war nicht nach einer langen Fahrt auf dem Wasser zu Mute, nur um zu guter letzt dort vom Blitz erschlagen zu werden. Die anderen Flugzeuge schwammen, festgezurrt in ihren Parkbuchten am Dock. Noch ein Blitz. Ich schwuere, der schlug im Huegelgipfel ein, aber jetzt war ich schon am flaren. Dann, Kontakt mit dem Wasser, ungefuehr 400 Meter vom sicheren Hafen. Ich entspannte mich, lieue den Steuerknueppel etwas zu weit nach vorne, den Schwerpunkt etwas zu schnell zu sehr zur Nase verlagernd. Die Spitzen der Schwimmer tauchten ins Wasser, verzweifelt zog ich den Steuerknueppel nach hinten, zu spuet. Der Rest vom Flugzeug folgte den Schwimmern und ueberschlug sich, blieb auf der Oberseite der Fluegel kurz auf dem Wasser und begann rapide zu sinken. Mein Sitz rutschte nach vorne und klemmte mich ein. Meine Finger erreichten die Sicherheitsgurtschnalle nicht, dann war auch mein Kopf unter Wasser. Jetzt wurde es richtig dunkel um mich herum, ich konnte nur ein lautes Rauschen hueren, dann war alles schwarz. Ich erwachte mit argen Kopfschmerzen in unserem Pilotenverschlag. Jeff erzuehlte mir, was sich ereignet hatte: Mein armer Vogel ueberschlug sich und sank binnen Sekunden. Der Buchhalter kletterte vor dem Untergang hinaus und sprang ins Wasser. Dort bemerkte er, dass ich nicht mit ihm an der Oberflueche schwamm und unter Lebensgefahr tauchte er nach mir.
Er ueffnete den Gurt und zog mich aus dem Cockpit und an die Luft. Dan und Jeff waren mit dem Crashboot ausgefahren und hievten uns hinein.
Ich war 16 Stunden bewusstlos und hatte eine leichte Gehirn- Erschuetterung.
Das Flugzeug sank bis zum Grund, ca. vier Meter tief, 25 Meter vom Strand entfernt. Phil, unser Chefmechaniker, und seine Crew hatten sie am Abend des nuechsten Tages gehoben und innerhalb einer Woche arbeitete ich wieder, den Himmel befliegend.
Mein Boss machte mich nicht fertig, tatsuechlich sprachen wir fast nie wieder von meinem Unfall. Selbstverstuendlich wuerde es fuer immer in meinen Arbeitspapieren stehen, und mir war klar, dass ich so eine Scheiuee nur einmal bei Tony's machen durfte. Es war auch nicht die letzte Dummheit, die ich beim Fliegen machte, aber es war das letzte Mal, dass ich mit einem Kater flog.

Kleine Fische

Unsere Kunden, die Dudes, sind meistens stinkreich. Gelegentlich fliegen wir auch mal ein paar Flitterwuechner oder 4-5 arme Schlucker, die jahrelang fuer diesen Trip gespart haben. Eine durchschnittliche Gruppe sind aber 4-6 reiche Amerikaner 40-60 Jahre alt, weiue, muennlich, uebergewichtig und bereit, fuenf Tage hintereinander in einer Huette an einem einsamen, nur mit dem Wasserflugzeug zu erreichenden See, zu saufen. Und fischen tun sie auch ein wenig. Tony's hat sechs Huetten an sechs Seen nahe bei unserem Heimathafen und sechs weitere 200 Meilen nuerdlich um unser Sommercamp verstreut. Der Mann der Regentin managt das Sommercamp. Er, Paul, ist um die 65 und Alkoholiker. Er ist einigermaueen entspannt und hat ein freundliches Gemuet, wenn er getankt hat ist er allerdings zu nichts zu gebrauchen. Also meistens. Wir Piloten wechseln uns jede Woche da oben ab, fliegen unsere Huetten und die anderen Camps ohne eigene Flugzeuge an. Wir hassen es. Wir schlafen in einer heruntergekommenen Bruchbude. Es ist klein und dreckig, stinkt und wir muessen uns mit Paul und seiner saufenden Trinkfreundin abgeben. Die Touren, die wir fliegen, sind meistens kurz, 15-30 Meilen und da wir pro Meile bezahlt werden, ist der Verdienst schlecht. Das winzige Dorf in der Nuehe, Savant Lake, hat nur eine Bar.
Eines Tages flog ich zu diesem kleinen See, Long Lake hieue er, um Kuederfische zu laden. Paul hatte irgendwie die stabilen roten Behuelter verlegt und ich musste mit den duennwandigen, durchsichtigen Plastikwasserblasen auskommen. Ich flog gerne dort hin. Aus irgendeinem mir unbekannten Grund war dieser See ein beliebter Versammlungsort fuer Elche. Einmal beobachtete ich neun Stueck gleichzeitig, Bullen, Kuehe und Kuelber. Manchmal fuehrte meine Startbahn direkt auf sie zu und darueber hinweg. Zuerst hueren sie meine Propeller die Luft zerbeiueen, dann sehen sie den Metallvogel und fangen an zu laufen, doch schon fliege ich in 30 Meter Huehe ueber die Tiere hinweg und lasse sie, verwundert hinter mir herstarrend, zurueck, wo sie kurz darauf ihrer urspruenglichen Beschueftigung, dem Fressen saftiger Wasserpflanzen, wieder nachgehen. Der Helfer des Kuederfische-Huendlers erwartete mich an seinem Behelfsdock mit all den kleinen Fischen in einem Lebendkuefig im Wasser. Wir fuellen meine Behuelter zu einem Drittel mit Wasser und dann mit Hilfe eines Trichters zu einem weiteren Drittel mit den etwa fingerlangen Fischchen. Zum Schluss rollen wir die Sauerstoffflasche aufs Dock und schieueen durch ein Ventil soviel hinein, dass sich die Wuende unter dem Druck nach auueen wuelben. Dies ist unerluesslich, da ansonsten die armen Kreaturen bei meiner Ankunft am Base schon erstickt wueren. Einmal die Woche hole ich die Lebendkueder, mir gefiel's, da ich auf mich alleingestellt war und mich nicht mit Touristen rumschlagen musste. Bei frueheren Missionen hatte ich allerdings immer die stabilen roten Behuelter dabei. Wir verstauten und vertueuten 12 von den prall gespannten Blasen hinter meinem Pilotensitz. In jedem tummelten sich ca. 80 Dutzend Fische. Bei einem Dollar fuers Dutzend lohnte sich der Aufwand schon. Der Helfer, Leroy, wollte mich aber so schnell nicht weglassen. Da er alleine in seinem Zelt auf der kleinen Insel fuer sechs Wochen lebte, wuerde er eine Woche lang keine Menschenseele mehr sehen, und dann auch nur mich oder einen meiner Kollegen fuer kurze Zeit. "OK. Leroy, ich muss los. Am Base warten weitere Trips auf mich."
"Ja klar, Mike. Noch vier Wochen, dann bin ich raus hier. Die ersten zwei fand ich toll, weiuet du, die Elche kommen manchmal fast bis ans Zelt ran. Und ich huere die Wuelfe oft. Den anderen Tag hab' ich auf einen geschossen, ich hab' das Mistvieh verfehlt, aber den krieg ich noch." "...wenn er dich nicht zuerst schnappt!" foppe ich ihn.
"Oh, das wird er nicht. Ich weiue wie die denken. Beim nuechsten Vollmond. Sag' mal, gibt's eigentlich irgendwelche Frauen im Dorf?" Seine Augen wurden glasig.
"Kann ich dir wirklich nicht sagen. Ich war selbst schon 'ne Weile nicht mehr dort. Arbeite von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, esse und leg' mich zum Schlafen hin. Ich hatte seit 43 Tagen keinen freien Tag mehr. Es kotzt mich an."
"Ja, aber wenigstens siehst du Menschen."
"Auch wieder wahr, nur die kuennen einem auch auf die Nerven gehen. Egal, ich muss jetzt los." Nun wurde er richtig traurig. Ein schwuecherer Charakter huette vielleicht geweint. Verzweifelt suchte er nach etwas zu besprechen, irgendetwas, um meinen Abflug hinauszuzuegern:
"Du bist sicher, die Behuelter sind richtig festgezurrt?"
"Yupp."
"Dein Vogel fliegt rund? Keine uellecks?"
"Nein. Alles im Lot."
Nun fiel ihm nichts mehr ein. Er zog ein tapferes Gesicht und sagte:
"Na, dann hau' schon ab! Ich drueck' dich vom Dock ab."
Wir drehten die Maschine in den Wind und er hielt sie am Schwanz fest bis ich den Motor zum Laufen gebracht hatte. Ich fuhr zum Ostende des Sees. Eine leichte Westbrise wuerde mir helfen, uns vom Wasser zu heben. Der See war eigentlich nur ein groueer Teich und ich musste alle natuerlichen Gegebenheiten ausnutzen, um die hohen Nadelbueume am Westende zu ueberfliegen. Ich pfluegte durchs Wasser und half der Cessna auf die Gleitstufe. Die Geschwindigkeit nahm schnell zu. Ich konnte es fuehlen, sie wollte fliegen. Ich begann leicht den Steuerknueppel nach hinten zu ziehen, um die Nase dem Himmel zuzufuehren, als ein gewaltiges -BANG- mir das Herz fast stocken lieue. Unglaubliche Gedanken blitzten durch mein Hirn, jetzt ist es also soweit, jetzt hat' mich erwischt, der Motor ist explodiert, bald wuerden mich Flammen umschlieueen, ich brenne zu Tode oder halbverbrannt krieche ich aus dem Cockpit, um im See zu ersaufen. Leroy findet nur noch meine verkohlte Leiche oder die Benzintanks gehen in die Luft und beenden meine Existenz in einem gluehenden Feuerball. So jung und schon alles vorbei.
Nein, nein - Buschfliegen ist nicht gefuehrlich, solange du aufpasst wird schon nix passieren, hatten sie gesagt. Warum hatte ich den Buerojob letztes Jahr nicht angenommen? Gleichzeitig reagierte ich und ging vom Gas runter, das Flugzeug nahm an Fahrt ab und ich bereitete mich auf meine Evakuierung vor, um zum Land zu schwimmen. Der Motor lief im Leerlauf rund vor sich hin, also da lag das Problem nicht. Vielleicht hatte ich, trotz meines ueberfliegens beim Anflug einen tueckischen Felsen uebersehen, denn die haben die Angewohnheit, aus tiefem Wasser pluetzlich hochzuwachsen, und hatte ihn mit meinem Schwimmer gestreift. Ich schaue aus dem Fenster, nein, auch nicht, beide schwammen friedlich im See. Dann vernahm ich ein leises, flappendes Gerueusch hinter mir. Ich drehte mich im Sitz und entdeckte die Katastrophe. Eine der Blasen hatte dem Druck nicht mehr standhalten kuennen und war geplatzt. Hunderte Fischlein zappelten nach Luft schnappend auf dem Boden und zwischen den anderen Behueltern. Ich war erleichtert, die Fische teilten dies sicherlich nicht mit mir. Ein paar handvoll hueufte ich zusammen und warf sie ins Wasser. Die hatten Glueck. Anschlieueend fuhr ich zum Ende des Sees und hob ab. Diesmal ohne ueberraschungen.
An dem gleichen Abend musste ich meinen Vogel sueubern. Der Dockboy weigerte sich vehement, er behauptete es wuere meine eigene Dummheit gewesen und ich solle die Suppe selber auslueffeln. Paul duemmerte mal wieder im Alkoholdelirium und ich konnte ihn nicht dazu bringen, es dem Jungen anzuordnen. Als ich damit fertig war, dachte ich gute Arbeit geleistet zu haben.
Ich sah schlieuelich keine Fische mehr.
Drei Tage spueter begann das Flugzeug fuerchterlich zu riechen, nicht nur der uebliche fuerchterliche Benzin- und uelgestank, nein, dies hatte den hundertprozentigen faulenden Duft von verrottendem Fisch. Ich versuchte es einen Tag lang zu ignorieren, hoffend es wuerde von alleine weggehen. Es ging nicht. Ich verbrachte sechs Stunden damit, die Bodenpaneele abzuschrauben und Stueck fuer Stueck die schimmelnden Burschen rauszupicken. Es wurde mir klar, was passiert war. Die Fische hatten solange gezappelt, bis sie in die Spalten fielen und dort verendeten. Ich wusch alles mit Seifenlauge und Wasser und sprayte Deodorant.
Ich spruehte noch weitere fuenf Tage.

Kanu am See

Overload
Zum ersten Mal bedauerte ich das meine -Tour of duty- in Savant zu Ende ging, aber meine Woche war vorbei und der Weg in die Zivilisation und die immense Stadt von ueber 10000 Einwohnern mit unsere Hauptbasis lag vor mir. Dort gab es ein echtes Safeway mit richtigen Lebensmitteln. Ein Kino mit nicht einem, nein, zwei Filmen jede Nacht! Mein Fernseher in meinem Hotelzimmer hatte sogar Kabel. Und die Bars, es gab einige !!! Zwei hatten sogar etwas uehnliches wie Klasse.
Diese Stadt war so groue, sie operierte fuenf Ampeln gleichzeitig, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ! Wir sprechen sozusagen von einem Bienenhaus der Geschueftigkeit. Auf ein kleines Wunder hoffend ,spekulierte ich darauf dass Jeff, Don und Mike, die jetzt dort Schicht machten, irgendwie von den Geologinnen nichts mitbekuemen und riss meine ueblichen langen Tage runter. Nachdem ich einen freien Tag, ermueglicht durch die notwendige Inspection meines Vogels durch unsere fuehigen Mechaniker, so richtig genossen hatte, begann der darauf folgende Morgen mit der so verhaueten ersten ueberschweren Ladung. Die Cessna 185 darf offiziell ein maximales brutto Gewicht, also einschlieuelich das Gewicht des Flugzeuges, des Piloten, Benzin und der Ladung von 3350 lbs. gleich 1600 Kilo, nicht ueberschreiten. Sobald ich mich und uel und Benzin zum Leergewicht addierte ergaben sich 2500 lbs., das lieue 850 lbs. als Zuladung zu. Dies kuennte z.B. 3 mitteldicke Dudes zu je 250 lbs. mit 100 lbs. Gepueck oder 42 Kuesten Bier zu je 20 lbs. oder jede andere Kombination die nicht 850 lbs. ueberschritt, bedeuten. Der Spruch : wen`s ins Flugzeug passt, dann fliegt sie auch, ist natuerlich ein schlechter Scherz. Mein Boss sagte mir mich auf Zwei nach Lac La Croix vorzubereiten.
Das ist gerade mal etwas ueber eine halbe Stunde pro Strecke und die Tanks halbvoll lieue mir immer noch genug Reserve fuer einen eventuell nuetigen Umweg. Aber, manchmal bin ich schlauer als ich sein sollte und dachte mir bei nur zwei Personen kuennte ich auch voll tanken, welches mir beim nuechsten Stopp Zeit fuer`n Kaffee lieue. Das Taxi brachte meine Fracht von der Stadt. Als sie aus dem Auto stiegen brach meine kleine Rechnung zusammen. Es waren der Hueuptling und seine Frau. Er brachte es auf so 195cm und sein muskulueser Kuerper trug, wenn ich mich nicht sehr tueusche, einen ueber durchschnittlichen Bierbauch, Marke 260 lbs - 275lbs. Verglichen mit seiner Frau war er allerdings schmal. Ich habe oft gehuert das Fettleibigkeit eine Krankheit ist. Bei ihrem Anblick glaubte ich es, denn ich hielt es nicht fuer mueglich dass jemand vom Essen alleine so dick werden kuennte. Ich meine mega ultra dick.
Dann hievten sie ihre Lebensmittel aus dem Kofferraum.
Acht grouee braune Safe Way Papiertueten, bis uebern Rand gefuellt, plus zwei 5o lbs Kartoffelsuecke und einen Zwiebelsack. Der Dockjunge packte alles auf einen Rollknecht und zog ihn auf mein armes Baby zu. Pete, der Hueuptling, grueuete mich und fragte ob es turbulent werden wuerde. Er war in Ordnung, gab immer 10 $ Trinkgeld. Ich sagte:
" Wie geht`s Pete ? Muss das ganze Zeug jetzt mit oder kuennen wir es im Kuehlhaus lagern, bis das nuechste Flugzeug es mitnehmen kann?"
Seine Frau wackelte den Dock runter, die Bretter knirschten.
" Eigentlich schon. Wir wuerden alles gern mit uns haben, oder ist das ein Problem?"
Ich ueberschlug meine Optionen :
A : ca. die Huelfte des Benzins aus den Tanks lassen. Das wuerde so `ne halbe Stunde dauern und Bob wuerde mich tueten da "das Buch" voll war und eine Verzuegerung am Morgen wuerde den ganzen restlichen Tag beeinflussen.

B : Darauf bestehen dass ein Teil hier bleibt, irgendeinen Grund vorschieben, wie die Schwimmer huetten ein Loch oder so was. Aber Pete flog schon Jahre luenger mit Bob`s als ich und kannte alle Tricks.
" Nein, eigentlich nicht. Wir muessen halt ein bisschen luenger taxing, das ist alles."
" Prima."
Dan half mir mit den Tueten und Suecken und dann stiegen die Zwei ein. Die Schwimmer versanken total fuer ein oder zwei Sekunden um dann zu einem Drittel wieder aus dem Wasser zu erscheinen. Ich kletterte ins Cockpit und ignorierte sie. Seit Sonnenaufgang wehte eine westliche Brise, jetzt hatte sich die Geschwindigkeit auf 12 Meilen erhueht, das kuennte den Unterschied zwischen abheben oder nicht machen. Wir taxieten nach Osten fuer`ne halbe Stunde. Der Hanger schaute sehr klein aus und ich konnte den Dock nicht mehr ausmachen. Das Flugzeug schaukelte sachte von der einen zur anderen Seite. ich betete dass die Fluegelspitzen nicht ins Wasser dippten. Normalerweise achtete ich immer sehr penibel darauf das meine Passagiere ihre Sicherheitsgurte umhatten. Pete war auch angeschallt, aber auf dieser Welt war noch keiner geschaffen worden der um seine Frau passte. Ich drehte den Vogel in den Wind, zog die Wasserruder hoch und drueckte den Benzin Zug bis zum Anschlag. Wir bewegten uns etwas schneller, Spruehniesel verschlechterte meine Sicht. Ein bisschen Speed noch, ich drueckte den Knueppel vor und zurueck um die Schwimmer auf die Gleitstufe zu zwingen bis es gelang. Wenn sie gleitet, dann fliegt sie auch, vorausgesetzt man hat genug Wasser vor einem um die Abhebgeschwindigkeit zu erreichen. Das Ende des Sees raste auf uns zu. Rotation passierte bei 55 Meilen, so schnell zischten wir dahin, aber sie wollte nicht fliegen. Spuetestens da wurde mir klar das ich einen Overload hatte. 56-57-58 die Nadel kroch nach oben. Jetzt ueberschritten wir den Punkt wo ich noch huette abbrechen kuennen, wenn mein Baby nicht in die Luft ging wuerden wir am Ufer zerschmettern. Pete sah mich an, endlich begriff er unsere Situation und fragte :
" Schaffen wir es?"
" Wir werdens bald wissen!"
Ich zog am Knueppel und ja! wir lieueen den Griff des Wassers unter uns und besiegten die Gravituet fuer den Moment. Wir ueberflogen das Ufer knapp und sehr vorsichtig drehte ich die Maschine in einer leichten Kurve in Richtung des Reservats. Ich schwuerte mich nie wieder in eine solche Situation zu bringen. Den Schwur brach ich noch oft.

Pan pan

Ab und zu fliegen wir extra lange Strecken.
Dann fuellen wir die Tanks bis zum ueberlaufen. Zusuetzlich , wenn auch das nicht ausreicht, nehmen wir volle Benzinkanister in den Laderaum und erguenzen damit den Tankinhalt bei einer Zwischenlandung. Das ist zwar verboten, aber was sollues. In dem Fall der Beaver gibt es drei Tanks unter dem Bauch. Insgesamt fassen sie 77 Gallonen. Jeweils 29 in den 2 Vorderen und 19 im Letztem. Der Pilot muss den zu benutzenden Tank manuell wuehlen, da sie nicht, im Gegensatz zur Cessna, automatisch aus allen Tanks saugt. Einen dann trocken zu fliegen ist relativ leicht. Mensch muss einfach nicht die Tankinhaltanzeigen beachten, den Benzindruckmesser ignorieren, der weniger als 5 Pfund pro inchquadraht angibt, und, dies ist allerdings das Schwierigste, das 10 Pfennig grouee rote Warnlicht, genau vor einem, uebersehen. Zur meiner Schande muss ich gestehen, dass genau das mir einmal passiert ist und der Junge, der auf dem Copilotensitz neben mir saue, schaute ziemlich dumm und entsetzt aus der Wuesche als pluetzlich inmitten des Flugs der Motor pluetzlich anfing zu husten und dann ausging. Sofort schaltete ich auf einen anderen Tank und da der Propeller sich ja im Leerlauf weiterdreht und Benzin dann wieder in den Vergaser zieht und die Zuendmagnetos immer noch auf Zuendung standen, startete sie gleich vom neuem. Ich entschuldigte mich verschuemt und versicherte Ihnen, dass mir das noch nie vorher passiert war. Sie akzeptierten es. Vielleicht nutzen sie es als unterhaltsame Geschichte zuhause, wenn sie ueber ihren nahe Tod Erlebnis wuehrend einer Angeltour in der groueen weiueen Wildnis des Nordens erzuehlten. Auf diesem speziellem Trip musste ich eine "Overload", das ist nur Gepueck welches zuviel fuer das erste Flugzeug war und deshalb nachgeschickt wurde, zu Blue Hills Lodge 268 Meilen norduestlich fliegen. Die Beaver schluckt etwa 20 gal. die Stunde und kann dabei so 100 Meilen weit kommen. Beides variiert je nach dem Wind, dem Gewicht der Ladung und dem Zustand des Flugzeuges. Mit vollen Tanks kuennte ich 400 Meilen fliegen. Um imstande zu sein den Rueckflug zu machen, beabsichtigte ich an der Lodge nachzutanken. Ein Telefonanruf bestuetigte mir, dass die gerade fuer diesen Zweck dort 45 gal.Tonnen gelagert hatten.
45 Minuten nach dem Start nahm ich meine vollautomatische Kamera unter meinem Sitz hervor, drueckte das Tuerfenster runter und schoss einige Aufnahmen einer Hochspannungsleitung, die schnurgerade durch den Busch sich erstreckte, und von Windlinien auf einem See. Ich wollte herausfinden ob Mensch gute Fotos aus der Beaver schieueen konnte ohne Teile von dem Flugzeug mit aufzunehmen. Nachdem ich einige Zentimeter Film belichtet hatte verstaute ich die Kamera, nicht ohne die Schutzkappe aufgestuelpt zu haben, unter den Pilotensitz. Dann schaute ich ueber meine Instrumente und blieb schlagartig auf den Tankinhaltanzeiger huengen. Der hintere gab leer an und jawohl, auf dem Hinteren lief die Maschine gerade. Die Situation erwartete eine Reaktion und zwar den Tank zu wechseln. Ich reagierte sofort.
Nun ist es im Bereich des mueglichen, dass ich dies mit ausreichender Erregung und uebermueueiger Kraft und Hast vollzog so dass ich der Hauptschuldige daran wurde die Laufrolle unter dem Kabelzug weggedreht zu haben. Damit wurde der Tankwechseler unbrauchbar. Auf jeden Fall war`s passiert und ich stand vor dem Problem wissen zu muessen auf welchem Tank ich nun war, vorausgesetzt ich steckte nicht zwischen Zweien. Im Falle des Letzteren oder falls ich noch auf dem Hinteren lief, wuerde ich unweigerlich in kuerze ohne Kraftstoff sein und damit ohne Motorleistung. Zum Glueck befand ich mich zu dem Zeitpunkt ueber ein Gebiet mit mehreren Seen, groue genug fuer eine Landung. Einer lag genau vor meiner Nase, sein Ufer vielleicht `ne Meile entfernt und bei meiner Huehe von 1500 Metern konnte ich dorthin, sogar mit totalen Motorausfall, noch hingleiten. Nochmals drehte ich am Schalter, zwecklos, der Zug war abgesprungen und ohne Werkzeug kam ich da nicht ran. Mit dem Propeller immer noch unter Kraft drehend hatte ich ein wenig Zeit mir eine gute Landestelle aus zu suchen. Da sah ich ein Cabin mit einem Dock an dem See vor mir und entschied sie da runter zu bringen. Die Versuchung einen offiziellen "Gefahr in Verzug" Ruf in den uether zu jagen, also ein 3-maliges Pan-Pan im Unterschied zu einem Notruf ( 3 mal Mayday ), spuelte an die Oberflueche meiner Aktionsgedanken, doch wollte ich zuerst versuchen auf den Betriebskanal einen von unseren Piloten in der Luft zu erreichen.
" Hier ist OBB. Ist einer von Tonys da?"
" OBB, this RPK. Go ahead."
RPK, Asse`s Vogel.
" RPK,OBB. Ich hab ein Problem mit dem Benzinwechsler. Ich lande auf`nem See etwa 8 Meilen sueduestlich von Stormy. Noch hab ich Leistung."
" OBB, hab verstanden. Mechanische Probleme sueduestlich von Stormy. Ich schick die Kavalarie."
" O.K. Ich versuch dich noch mal vom Wasser zu erreichen."
" Viel Glueck!"
Das Wasser zu erreichen stellte keine grouee Schwierigkeit da. Aber, ich sah eine menge Weiuekappen und die sahen ziemlich hoch aus, welches wiederum bedeutete, dass dort unten ein mindestens 20 Meilen schneller Wind blies und in dem zu taxen mit Leistung oder noch schlimmer, die Beaver zu segeln mit ihrem groueem Schwanzruder und den kleinen Wasserrudern war huellisch schwer. Wenn ich jetzt geradeaus landete, ueberschoue ich das Cabin um 300 Meter und muesste das Eine oder Andere machen. Die andere Option die ich durchdachte war, da ich ja noch Motorleistung hatte, und jetzt war klar, dass ich entweder auf dem mittleren Tank stand, und dann huette ich mehr als `ne Stunde Flugzeit, oder aber immer noch auf den hinteren und dann huette ich noch knappe 5 Minuten, einen engen Halbkreis zu fliegen, dabei immer in Gleitweite des Sees zu bleiben, und so vor dem Dock zu landen und leicht anzudocken. Nach ca. 4 Sekunden entschied ich mich zur sofortigen Landung und drueckte den Knueppel nach vorn, die Nase senkte sich. Ich musste ein wenig sideslippen um schnell genug Huehe zu verlieren damit die Maschine nicht uebers Wasser hinausschoss. Natuerlich, 400 Fuue tief, starte mich ein gemeiner Felsbrocken mitten auf der besten Wasserpiste grausam an, bereit meine unschuldigen und sehr verletzlichen Schwimmer in Stuecke zu zerreiueen. Nichtsdestotrotz gelang mir eine passable Landung. Erleichtert atmete ich tief durch und trat voll auf das linke Wasserruder um das Flugzeug zum Cabin hin zu drehen. Inmitten der Kurve hustete der Motor ein paar Mal und erstarb. Der Benzindruckanzeiger zeigte null Druck und das rote Warnlicht sagte mir mit seiner Helligkeit seine Meinung. Kein Benzin, null,nichts. Den Kreis huette ich nie und nimmer zu Ende geflogen. Wir begannen rueckwuerts zu segeln. Das grouee Schwanzruder wirkte wie eine Wetterfahne und so konnte ich ohne Motorleistung die Nase nicht aus dem Wind bekommen.
Nur beschruenkt lenkbar fragte ich mich ob wir es an der kleinen Insel vorbei schafften oder ob mein Vogel und ich an die rauen Felsen gedrueckt wuerden und halb versenkt, nach mehrfachen gnadenlosem Aufschlagen. Das Cabin schien sehr weit weg, doch da bemerkte ich ein kleines Boot auf mich zu rasen. Jemand hatte mich landen sehen und kam zur Hilfe.
" Howdy" rief ich ihnen entgegen, " wie geht`s? ".
Eine Frau und ein Mann in wetterfester Kleidung, gelbe ueljacken, befanden sich darin. Der Mann antwortete sogleich :" Uns geht`s fein, und Ihnen?"
" Naja, ich hab sozusagen kein Benzin mehr. Sie huetten nicht rein zufuellig ein wenig Flugbenzin?"
" Tut mir leid, nein. Alles was wir haben ist Bootmix. Davon kuennen sie gern was haben."
" Das wuerde schon helfen. Meinen sie ich kann bei ihren Cabin docken bis Hilfe kommt?"
" Na klar, ich bin gleich wieder da."
Sie fahren zurueck zu ihrem Platz und keine 10 Minuten spueter bringen sie mir einen 5 gal. Kanister Sprit. Inzwischen hab ich mich genug beruhigt und fang an zu zittern. Mit dem schweren Kanister klettere ich durch das Flugzeug ueber meine Ladung zur anderen Seite bevor mir klar wird, das die Benzineinfuellstutzen immer noch auf der selben Seite sind, genau da wo ich gerade noch stand und das Benzin entgegen genommen habe, nuemlich hinter mir. Also kriech ich wieder zur Ausgangsposition und fuelle den Kanister in den hinteren Tank, von dem ich ja bis zuletzt den Treibstoff gezogen hatte. Nachdem ich die Wackelpumpe wackelte um den Druck aufzubauen ruehrte der Motor mit neuen leben. Mit Schwung versuchte ich die Beaver in Richtung Cabin zu drehen ,aber sie wollte und wollte nicht. Sogar mit extra viel Leistung, eigentlich zu unterlassen, da das dadurch aufgespritzte Wasser den Propeller stark beschuedigen kann, blieb sie stur in den Wind. Der Mann lenkte sein Boot nueher, die Frau machte komische Bewegungen, rauf und runter mit ihrem Arm, als ob sie was stuendig hochziehen wollte. Hueren konnte ich sie nicht ueber das Motorengetuese. Dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren. Die Wasserruder steckten immer noch vom Versuch des Segels in der "Oben" Position. Mit einem Schafsgesicht lieue ich sie runter und fast wie von selbst gehorchte mir mein Vogel. Wit taxieten zu ihrem Dock und ich band sie fest.
Auf dem Weg versuchte ich noch mal Ass oder einen anderen Flieger zu erreichen, vergeblich. Aber das war jetzt auch egal. Die Beschreibung die ich gegeben hatte war gut genug gewesen. Zwei Stunden spueter fanden sie mich mit Pete und seinem Werkzeug an Bord. Er hatte mein Baby in 45 Minuten repariert. Mit dem Schalter auf den mittleren und vollen Tank gestellt, nachdem ich mich bei meinen Gastgebern und Helfern in der Not bedankt hatte, setzte ich meinen Flug in die blauen Weite fort, als ob nicht passiert wuere.

Quecksilber

So gut sich Three Rivers meiner Seele anschmiegte, umsomehr zog mich Narrow Falls runter. Three Rivers hatte sich selbst vor 14 Jahren trocken gewuehlt. Klar, gelegentlich wurde die ein oder andere Flasche reingeschmuggelt, ich selbst flog einmal einen Ersoffenen, bedingt durch saufen, raus aus dem Reservat. Und wenn sie auf Besuch in der Stadt waren gab es oft eine grouee Weinerei beim Abschied.
Aber im Dorf selbst lachten die Leute und machten Witze mit und ueber uns, halfen uns beim docken und entladen. An Krankenflugtagen genossen die Gebrechlichsten und leidesten Mitglieder der Gemeinschaft handfeste und mitfuehlende Hilfe vom stolzesten der Stolzen. Wenn eine Person halb geluehmt von Krankheit oder Schmerz ist, stellt es ein ziemliches Problem dar, die schmale Planke hoch zu gehen, sich zu buecken und auf den Buschsitz zu quetschen. Nach Narrow Falls schluengelte sich eine Strauee, die es mit dem Rest der Welt verband. Nur wenn die ueberflutet wurde, regelmueueig im Fruehjahr, wenn der Regen und geschmolzener Schnee nicht durch den noch gefrorenen Boden abflieueen konnte, oder ein Haufen schrottiger Unfallautos die Durchfahrt verhinderten, flogen wir rein. So um die zwanzig heruntergekommene Hueuser beschmutzten den Rand eines recht groueen Sees. Es wurde einem geraten, den Fisch daraus nicht zu essen. Vor 15 Jahren baute die Elektrizituetsgesellschaft einen riesigen Damm flussaufwuerts. Der Stausee setzte den ganzen Busch unter Wasser, und Quecksilber wurde aus dem Erdreich und der verrottenden Biomasse abwuerts gespuelt. Die national geltende Huechstmenge ist seitdem ueberschritten. Nach jahrelangen Gerichtskuempfen, vielen Todesfuellen und Kuerper-Deformationen, verursacht durch die Verunreinigung, gewannen die Indianer eine Geldentschuedigung.
Der Hueuptling und sein Bruder unterschlugen und stahlen die Huelfte davon und verlieueen die Gegend fuer immer, der Rest kaufte dem Reservat soviel Feuerwasser umso ziemlich alle Erwachsenen zu zerstueren, und die Kinder zahlten den allerhuechsten Preis. Ein Ontario Provincial Polizist erzuehlte mir, dass sie im Winter mit T-Shirts und Turnschuhen, aus denen die Zehen rausschauen, bei minus 40 Grad rumlaufen. Wenn sie krank sind pflegt sie keiner. Die Eltern liegen irgendwo im Rausch oder trinken bei einer der immerwuehrenden Parties. Die Selbstmordrate ist die huechste im ganzen Land. Im Sommer vergeht kaum eine Woche ohne einen gewaltsamen Tod.
Mal eine Selbsterhuengung, mal ein brutaler Messer- oder Axtmord, und auch Schusswaffen werden benutzt. Ein paar Mal fand er eine Leiche, wo die Leber, die dem stuendigen Druck der ueberbelastung nicht mehr standgehalten hatte und explodiert war, Blut aus den Ohren, Mund, Arschloch und Nasenluechern schieueend. Eine sehr blutige Angelegenheit. Ich konnte es mir vorstellen. Als ich meinen Vogel an ein paar morschen Brettern, zusammengehalten von rostigen, krummen Nuegeln und duennen Seilen, festband, humpelten zwei Kinder zum Flugzeug herunter.
ueHast du Suff mitgebracht, weiueer Mann?ue fragte mich einer keck.
ueWieso seid ihr nicht in der Schule?ue erwiderte ich verbluefft.
ueWir muessen nicht zur Schule. Wir sind Indianer. Hast du nun Suff oder nein?ue
ueNein. Ich hab' kein' Alkohol.ue
ueDann verpiss' dich du Wichser, hau ab!ue Er konnte nicht uelter als acht sein, struppig und dreckig. Ich will nach vorne stuerzen und ihn mir schnappen, da erkenne ich aus dem Augenwinkel heraus eine Bewegung an der Rueckseite des Flugzeuges. Ein anderer, noch juengerer hat sich durch die hintere Luke gezwuengt und versuchte alles, was er ergreifen konnte, zu stehlen. Der ueltere warnte ihn durch einen Schrei und der kleine Junge sprang in den See und versuchte zu schwimmen, begann aber zu unterzugehen, so dass ich mit einem Fuue auf dem Schwimmer und mit einer Hand am Fluegelstuetzer huengend in seinen Haarschopf griff und ihn rueber zum Dock zog. Er schlug nach mir und rannte seinem Kumpel nach, fluchend und schreiend. Ich entlud die drei Pakete aus meinem Vogel, stapelte sie auf dem Sandstrand. Schulbuecher und zwei mit Gesundheits- und Wohlfahrtsaufklebern. Ich sah mich ein bisschen im Dorf um, erstaunt ueber den Unrat.
Muell lag ueerall verstreut und Plastikstuetuefte lflatterten im Wind. Ein Haufen grauer Geweihe und ein paar zahnlose grinsende Elchschaedel verbreiteten morbide Schwingungen, ein Schneemobil auf die Seite gekippt, seine Verkleidung durchloechert und die Raupenkette gerissen. Dann sah ich die Zwei wieder, einen Erwachsenen im Schlepptau. In der einen Hand hielt er eine Flasche, es konnte nur Whiskey sein, in der anderen ein Gewehr.
Vom Huegel herunter zeigten die Blagen auf mich und schrieen den Alten an, vielleicht dreissig Meter von mir, dem Dock und meiner DHC-2 entfernt. Ich konnte kaum glauben was dann geschah. Der Mann ging in die Knie, presste den Schaft der Jagdwaffe in seine Schulter und zielte auf mich. Ich hab' Docks schon schnell verlassen, aber diesmal brach ich alle Rekorde. Ich hatte die Beaver vom Steg gedrueckt und den Motor an, bevor der erste Schuss durch die Stille peitschte. Er musste wohl vorbeigeschossen haben, denn den Zweiten fuehlte ich in das Flugzeug einschlagen. Selbstverstaendlich hielt ich nicht an, ich spekulierte ,dass meine Chancen, mit einem getroffenen Flugzeug besser standen, als rum zu stehen bis er mich traf. Am heimischen Base fanden wir ein Loch am oberen Schwanzruder. Tom rief die Bullen. Ein Streifenwagen wurde zu uns geschickt.
"Wir fahren hin und checken das durch", meinte der rothaarige Polizist, "aber passieren wird sowieso nichts. Es wird keine Zeugen geben. Die koennen sich an nichts erinnern, selbst wenn sie es versuchen wuerden."
"Wieso wird nichts unternommen, um den Kindern zu helfen?" fragte ich.
"Die Sozialarbeiter haben es versucht, so gut sie konnten. Aber die haben jetzt auch Angst. Eine Frau haben sie dort vergewaltigt und umgebracht, ein paar Maenner sind richtig gut durchgepruegelt worden. Vor 15 Jahren, bevor der Damm gebaut war, lebten so um die sechzig Familien in Narrow Falls, jetzt, soviel ich weiss noch vierzehn. Ich gebe denen noch fuenf Jahre, dann hat sich das Problem von selbst geloest." Wir sind da nicht mehr hingeflogen.



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